kultur

Die fortschrittliche, liberale Schweiz anerkennt die Minderheit der Homo­sexuellen weder rechtlich noch gesellschaftlich als gleichwertig. Die Geschlechterrollen sind tief ver­ankert, die Diskriminierung hält an.

«Schwule werden kastriert und therapiert. Sie treffen sich – versteckt – in der «Schweinebucht» bei Büsingen oder schlüpfen durch einen Hintereingang in eine Schwulenbar an der Hochstrasse. Das war vor weniger als fünfzig Jahren. Heute steht die Homosexuellen-­Szene nicht mehr am Rande der Legalität. Weil Homosexuelle mehr Rechte haben und weil sich die Gesellschaft weiterentwickelt hat.

Doch die Schwulen und Lesben, die mit ihrer sexuellen Ausrichtung einer Minderheit angehören, werden trotz zahlreicher Verbesserungen im rechtlichen und gesellschaftlichen Bereich noch immer nicht als vollständig gleichwertig akzeptiert. Anders ist es nicht zu erklären, dass es immer noch Schwule und Lesben gibt, die ihre Neigungen auch vor ihrem engsten Bekanntenkreis geheim halten, wie die junge Frau, die sich in dieser Ausgabe dem Lappi gegenüber geoutet hat. Oder dass sich viele Homosexuelle in ihrem Alltag durch Sprüche, Witze oder Beleidigungen diskriminiert fühlen.

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Er ist ein talentierter Rapper, humorvoller Gesprächspartner und religiöser Heiler. Der 27-jährige Cyrille Huber alias «C-Real» polarisiert.

Ist man in Schaffhausens Gassen unterwegs, kann es durchaus sein, dass man von ihm angesprochen wird – vor allem, wenn man von Schmerzen geplagt wird. Er spüre oft, was einer Person fehle, sagt Cyrille Huber. Sei es ein schmerzender Arm, ein steifer Nacken oder ein Nierenleiden. Oft geht er dann auf sie zu, fragt, ob er für sie beten dürfe und gebietet dem Schmerz, zu verschwinden. Er diskutiert viel und gerne, und das Gesprächsthema fällt bald auf Jesus. Auch heute, am Küchentisch einer Schaffhauser Altstadt-WG. Jesus ist Cyrilles Lebensinhalt.

Seine Kindheit sei nicht immer einfach gewesen, erzählt er. Er wurde als eines von acht Kindern in ein frommes Umfeld hineingeboren – das Schweizer Fernsehen strahlte vor ein paar Jahren ein Portrait über die Grossfamilie Huber aus. Als er noch klein war, zog die Familie nach Beggingen. «Wir wurden dort nicht gerade herzlich empfangen», sagt er. «Da wir fast die einzigen Fremden im Dorf waren, hatten wir, vor allem in den ersten Jahren, mit einigen Schwierigkeiten zu kämpfen». Damals wurde ihm klar, dass er einen eigenen Weg einschlagen musste.

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Das kleine Paradies neu erzählt.

Schaffhausen ist nicht Sarajevo, das eine lange Tradition von Liebesbekundungen an die Heimatstadt kennt. Bis im Herbst dieses Jahres war es so, dass «homegrown» (Kiffersprache) Songs über Schaffhausen an einer Hand abgezählt werden konnten. Dann kam «Operation Paradiesdämmerung» aka «Occupy A ­Piece Of Paradise». Für die geschätzte Lappi-Leserschaft wärmen wir die Ereignisse der letzten Monate und Wochen noch einmal auf.

Erstmals bliesen wir im Frühling zur Attacke auf die Schaffhauser Standortkampagne, mit einem offenen Brief an Eingeborene wie Zugezogene, in diesem Print:

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Turbulent verliefen die ersten Wochen von Radio Rasa. Dank dem Engagement von vielen Freiwilligen gibt es den einzigen unabhängigen Schaffhauser Radiosender heute noch.

Wenn die Polizei kam, spielten sie ein Liebespaar. Oder sie fanden den Schlüssel für den Kofferraum nicht. Darin verstaut war die kleine Sendeanlage, mit der sie ihren Privatsender betrieben. Vom Schaaren oder vom Reiat aus sendeten sie über jene Frequenzen, die dazumal vom Militär benutzt wurden. Die Polizei war deswegen darauf erpicht, den illegalen Piratensendern die Antennen zu stutzen. Das war in den 70er und 80er Jahren.

Erst Anfang der 90er Jahre wurden diese Frequenzen für private Radiosender frei. In Schaffhausen interessierten sich mehrere Gruppen für die einzige freiwerdende Frequenz. Darunter vier Leute, die den Beginn von Radio Rasa einläuteten, dem unabhängigen Radiosender im Kanton Schaffhausen. Jaqueline Brauchli, Nik Brauchli, Manuela Bührer und Manfred Müller gründeten den Verein zur Förderung eines freien Radios (FRAS) und organisierten im November 1993 einen einmonatigen Sendungsbetrieb auf Probe. Die Bewilligung für den Probebetrieb erhielten sie, nachdem sie auf der Strasse Unterschriften dafür gesammelt hatten. Die Antenne wurde damals auf dem Schwesternhaus an der Spital­strasse in­stalliert, wo sie noch heute steht. Das Studio befand sich im Jugendhaus an der Webergasse (siehe Bild mit Manuela Bührer).

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«az»-Verleger Bernhard Ott spricht mit dem Lappi über die Monopolstellung des Meier-Verlags und die Zukunftsaussichten seiner Zeitung.

Bernhard Ott, die grossen Verlagshäuser der Schweiz haben ihre Gebiete konsolidiert und ihre Monopole gestärkt. Besteht jetzt die Gefahr, dass die Schaffhauser Medien die nächsten Opfer der Konsolidierung werden?
Das hängt von der Zukunft der Region ab und ob Schaffhausen als eigenständiger Kanton bestehen kann. Wenn grössere Gebilde, wie beispielsweise ein Kanton Nordostschweiz, entstünde oder unser Kanton als Bezirk in den Kanton Zürich «eingemeindet» würde, gäbe es weniger Geld für Inserate, nicht zuletzt für amtliche Anzeigen, die für uns sehr wichtig sind. Dann würde es sehr schwierig werden, aber nicht nur für uns, sondern auch für die «Schaffhauser Nachrichten».
Wieso konnten sich so viele Schaffhauser Titel bis heute behaupten?

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Alles ändert sich, und das immer schneller. Nur die Alpen und der sinnlose Zeitvertreib der Jugend trotzen jeder Veränderung.

Die freie Sicht aufs Mittelmeer ist im Zeitalter der Billigfluggesellschaften leicht zu haben. Billige Flüge ans sonnige Meer gibts schon ab 30 Franken. Und bald werden wir das Stranderlebnis im Wohnzimmer in der Schweiz erleben können, mittels 3D-Fernseher. Oder wir zaubern ein Hologramm des Mittelmeeres an den Himmel über dem Engiweiher und das Rauschen des Meeres hören wir live am Radio wie das Feuerwerk vom Rheinfall. Den Geruch des salzigen Meeres können wir uns bestimmt bald in den Varianten Ostsee, Pazifik, Totes Meer und Atlantik als iFeel App herunterladen. Wollen wir ausgefallenere Düfte, müssen wir zwei Franken zusätzlich bezahlen.

Früher, da war alles anders. Das Meer lag zwar in Reichweite, aber easyJet gab es noch nicht. Der Drang nach dem Exotischen war stark. Die jungen Schweizer wollten aus ihren Betonmauern ausbrechen. «Nieder mit den Alpen. Freie Sicht aufs Mittelmeer!», schrie die aufgebrachte Jugendbewegung der achtziger Jahre und rüttelte am zentralen Identifikationsmassiv der Eidgenossen – an Eiger, Mönch und Jungfrau. Das ist jetzt 30 Jahre her und die Alpen sind immer noch da, gewaltig, imposant, schattenwerfend.

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Ray Smith lebt mit dem Militär, dem Geheimdienst und 20'000 palästinensischen Flüchtlingen in den Ruinen Nahr al-Bareds.

Libanon. Nahr al-Bared. Fünfzehn Kilometer Luftlinie von der Nordgrenze zu Syrien. Ein Flüchtlingslager der PalästinenserInnen. Teilzeitwohnort von Ray Smith und ein Wohnort auf Zeit für die 20‘000 PalästinenserInnen, die dort leben und auf Veränderung warten.

Ray ist der einzige Ausländer, der hin und wieder einige Monate in der Militärzone zwischen dem zerstörten alten Camp auf UN-Gebiet und dem libanesischen Staatsgebiet, in dem das zivile Recht gilt, verbringt. Wird er beim Filmen in der Militärzone erwischt, kann er «verhaftet, bisschen eingeknastet und deportiert werden», wie er sagt.

Ray stellt das Bier beiseite, beginnt den Vortrag: «Unterbräched mi, wenn’r Froge hend.» Das runde Dutzend, das den Weg ins Kasama an der Zürcher Militärstrasse gefunden hat, ist eine bunte Mischung von Jung und Alt. Fragen gibt es noch keine, aber eine Bitte. «Natürlich, sorry, Hochdeutsch, klar, vergass ich zu fragen», meint Ray und stoppt die Präsentation auf der Leinwand. Die Einführung ist kurz, Ray will sich nicht wiederholen und die meisten sind nicht zum ersten Mal bei einem seiner Vorträge zu Gast. Sie kennen die Geschichte des Camps.

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Setting

Sommer 2009. Ich treffe den Regisseur von «Being Azem» zum Gespräch in seiner Wohnung an der Stauffacherstrasse auf dem Schaffhauser Emmersberg. Ecksofa, 52-Zoll-Flatscreen, Holzregalkombination mit einer Sammlung von mehreren hundert DVDʼs und ein gerahmtes Plakat von Rocky neben der Balkontür: «His whole life was a million-to-one-shot». Hier lebt und arbeitet ein animal cinématographique. Ein Autodidakt. Der Kroato-Schweizer Tomislav Meštrović hat nie eine Filmschule besucht und drehte dennoch einen Dokumentarfilm ab, der vom Schweizer Fernsehen koproduziert worden ist.

Am Abend zuvor läuft Rocky auf SF1. Nachdem wir zwanzig Minuten über eventuelle Gemeinsamkeiten des Boxfilm-Klassikers mit «Being Azem» diskutiert haben, behauptet Tomislav: «Das ist doch genau der Traum, den jeder Mensch verfolgt. Etwas zu erreichen, das dir niemand zugetraut hat. Sich ein Ziel zu setzen und es gegen alle Hindernisse und Hürden zu erreichen. Rocky verkörpert das: Er ist am Boden und schafft es von dort in den Ring. Er bringt den unbesiegbar scheinenden Weltmeister an den Rand einer Niederlage. Er verliert zwar, doch er gewinnt etwas anderes: die Achtung der Welt.»

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Die Bandräume in der Stadt sind knapp. Politiker forderten schon mehrfach grösseres Engagement von der Stadt, doch die Chancen stehen nicht gut.

Das Gitter vor dem Eingang in der Karstgasse steht offen. Die Elektroheizungen im Bandraum sind kalt. Martin Wanner sitzt auf dem Sessel, Christoph Wanner auf dem Sofa daneben und hat die Winterjacke an. Er ist der Drummer und eines der vier Mitglieder von «Tongue Twister». «Bis im April dauert es, bis wir Genaueres wissen», sagt er. «Noch steht der Auszugstermin nicht fest.» Die Zukunft der Bandräume in der Karstgasse ist nicht gesichert, seit die IG Altstadt die Liegenschaften gekauft hat. Wie genau die neue Besitzerin die Liegenschaften nutzen will, ist noch nicht klar. Es ist aber gut möglich, dass «Tongue Twister» im Sommer wieder auf der Suche nach einem neuen Bandraum ist. Betroffen ist auch die Band «Pete Bamboo», die deshalb seit einem halben Jahr einen neuen Proberaum sucht – ohne Erfolg.

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Grossstadtrat Simon Stocker über den Mangel an Bandräumen.

Im August 2007 hat der Stadtrat mit dem Postulat von Christoph Lenz den Auftrag gefasst, sich für die Schaffung von neuen Übungsräumen einzusetzen. In den letzten zwei Jahren hat der Stadtrat bisher keinen Bericht abgeliefert, was er bis anhin dafür getan hat oder welche Möglichkeiten er sieht; im Gegenteil.

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