Das Ringen um rechtliche Gleichstellung von Homosexuellen ist in der Schweiz noch nicht zu Ende.

Bis weit hinein ins 20. Jahrhundert war Homosexualität gemäss den damals noch kantonalen Strafgesetzbüchern strafbar. Sie wurde als unnatürliche Charaktereigenschaft qualifiziert und unter Strafe gestellt. Im Namen von Sitte und Moral sollten die Neigungen der Homosexuellen durch die Androhung von Gefängnis geändert oder zumindest unterdrückt werden. Mit der Entwicklung der medizinischen Psychiatrie wandelte sich die Homosexualität in den Augen der Gesellschaft von einer Charaktereigenschaft hin zu einer psychischen Krankheit. Dies verbesserte die Akteptanz gegenüber Homosexuellen keineswegs.

Die Idee, in der gleichgeschlechtlichen Orientierung eine menschliche Eigenschaft und nicht eine Charakterschwäche oder Krankheit zu sehen, war weit von einem Durchbruch entfernt. Erst das Umdenken im Vorlauf zur Einführung des neuen (nationalen) Strafgesetzbuches im Jahre 1942 führt zur Straffreiheit sexueller Handlung gleichgeschlechtlicher Erwachsener. Eine menschliche Eigenschaft sei als gegeben zu betrachten, so die Haltung des Gesetzgebers, und dies müsse insbesondere auch von staatlichen Instanzen respektiert werden.

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Die fortschrittliche, liberale Schweiz anerkennt die Minderheit der Homo­sexuellen weder rechtlich noch gesellschaftlich als gleichwertig. Die Geschlechterrollen sind tief ver­ankert, die Diskriminierung hält an.

«Schwule werden kastriert und therapiert. Sie treffen sich – versteckt – in der «Schweinebucht» bei Büsingen oder schlüpfen durch einen Hintereingang in eine Schwulenbar an der Hochstrasse. Das war vor weniger als fünfzig Jahren. Heute steht die Homosexuellen-­Szene nicht mehr am Rande der Legalität. Weil Homosexuelle mehr Rechte haben und weil sich die Gesellschaft weiterentwickelt hat.

Doch die Schwulen und Lesben, die mit ihrer sexuellen Ausrichtung einer Minderheit angehören, werden trotz zahlreicher Verbesserungen im rechtlichen und gesellschaftlichen Bereich noch immer nicht als vollständig gleichwertig akzeptiert. Anders ist es nicht zu erklären, dass es immer noch Schwule und Lesben gibt, die ihre Neigungen auch vor ihrem engsten Bekanntenkreis geheim halten, wie die junge Frau, die sich in dieser Ausgabe dem Lappi gegenüber geoutet hat. Oder dass sich viele Homosexuelle in ihrem Alltag durch Sprüche, Witze oder Beleidigungen diskriminiert fühlen.

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AL-Kantonsrat Matthias Frick über Umverteilungsversuche.

Es war bereits im Vorfeld der Kantonsratsdebatte zur Teil­revision des kantonalen Steuergesetzes ruchbar geworden, die Spatzen pfiffen es von den Dächern: Die SVP möchte auf die ursprünglich von ihrer Finanzdirektorin vorgeschlagene Vermögenssteuersenkung nicht verzichten. Auch nicht angesichts der prekären Finanzlage des Kantons. Eine Senkung der Vermögenssteuer müsse zwingend sein und man könne sie sich leisten. Wohl auch dank der von der Volkspartei mit Beihilfe der Freisinnigen in der vorangegangen Woche durchgesetzten massiven Kürzung bei der Krankenkassenprämienverbilligung für Kleinverdiener.

Und wirklich: In der Beratung bei der Vermögenssteuer angelangt, ergriff Kantonsrat Markus Müller, SVP Löhningen, das Wort und beantragte eine Senkung der Vermögenssteuer von 2,3 ‰ auf 1,8 ‰. Das sei notwendig, da wir eine «Verteufelung unseres Paradieses» verhindern müssten – auch im Hinblick auf die zunehmende Überalterung des Kantons Schaffhausen. Es gelte, positive Signale an potentielle Neuzuzüger zu senden. Die beantragte Senkung sei nötig, namentlich für die vielen Eigenheimbesitzer im Kanton Schaffhausen.

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Er ist ein talentierter Rapper, humorvoller Gesprächspartner und religiöser Heiler. Der 27-jährige Cyrille Huber alias «C-Real» polarisiert.

Ist man in Schaffhausens Gassen unterwegs, kann es durchaus sein, dass man von ihm angesprochen wird – vor allem, wenn man von Schmerzen geplagt wird. Er spüre oft, was einer Person fehle, sagt Cyrille Huber. Sei es ein schmerzender Arm, ein steifer Nacken oder ein Nierenleiden. Oft geht er dann auf sie zu, fragt, ob er für sie beten dürfe und gebietet dem Schmerz, zu verschwinden. Er diskutiert viel und gerne, und das Gesprächsthema fällt bald auf Jesus. Auch heute, am Küchentisch einer Schaffhauser Altstadt-WG. Jesus ist Cyrilles Lebensinhalt.

Seine Kindheit sei nicht immer einfach gewesen, erzählt er. Er wurde als eines von acht Kindern in ein frommes Umfeld hineingeboren – das Schweizer Fernsehen strahlte vor ein paar Jahren ein Portrait über die Grossfamilie Huber aus. Als er noch klein war, zog die Familie nach Beggingen. «Wir wurden dort nicht gerade herzlich empfangen», sagt er. «Da wir fast die einzigen Fremden im Dorf waren, hatten wir, vor allem in den ersten Jahren, mit einigen Schwierigkeiten zu kämpfen». Damals wurde ihm klar, dass er einen eigenen Weg einschlagen musste.

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Das kleine Paradies neu erzählt.

Schaffhausen ist nicht Sarajevo, das eine lange Tradition von Liebesbekundungen an die Heimatstadt kennt. Bis im Herbst dieses Jahres war es so, dass «homegrown» (Kiffersprache) Songs über Schaffhausen an einer Hand abgezählt werden konnten. Dann kam «Operation Paradiesdämmerung» aka «Occupy A ­Piece Of Paradise». Für die geschätzte Lappi-Leserschaft wärmen wir die Ereignisse der letzten Monate und Wochen noch einmal auf.

Erstmals bliesen wir im Frühling zur Attacke auf die Schaffhauser Standortkampagne, mit einem offenen Brief an Eingeborene wie Zugezogene, in diesem Print:

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Ausgabe 8: Mattias Greuter und Thomas Leuzinger über die Presse, Blocher und Ringiers Hundeshop.

«Schaffhauser Nachrichten», «Weltwoche» und «Basler Zeitung» sollen zusammen in einer Verlagsholding untergebracht werden, meinte der «Tages-Anzeiger» vor kurzem zu wissen. Eine Schockmeldung für die SchaffhauserInnen – aber für den Lappi-Leser nicht glaubwürdig. In der letzten Ausgabe sagte «SN»-Verleger Norbert Neininger schliesslich stolz, es gebe «nur noch wenige unabhängige Regionalzeitungen», und versicherte, die Schaffhauser Nachrichten würden «frohen Mutes in zehn Jahren auch das 160. feiern können».

Nun, Blocher hat sich endlich (über seine Tochter Rahel) als (indirekter) BaZ-Besitzer zu erkennen gegeben. Wohl unfreiwillig, weshalb er sich jetzt wieder aus dem Staub macht. Allerdings ist nicht auszuschliessen, dass Christoph Blocher seine Fühler nach Zeitungen ausstreckt, die er in einen SVP-Verlag einbringen könnte. In Schaffhausen wird er mit Blocher TV ja bereits hofiert.

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Was passiert, wenn urbane junge Leute am 1. August das Volkstümliche suchen? – Eine Nachlese, drei Steinwürfe später.

Für die aufgeklärte Schweizerin und den aufgeklärten Schweizer, die mit dem Willhelm-Tell-Mythos, dem ganzen Pathos um den Rütlischwur und dem immergleichen Floskelgedresche übereifriger Politiker nichts anfangen können, stellt der 1. August Jahr für Jahr ein kleines Problemchen dar. Was tun am Nationalfeiertag? Die Festlichkeiten einfach ignorieren? Schon zwei Wochen im Voraus beim Chinesen um die Ecke reservieren, Nudelsuppe schlürfen und Go spielen, bis der Zeiger die 12 passiert hat? Oder sich halt trotzdem unters Volk mischen? Wurst und Bier schmecken auch am 1. August. Man muss ja nicht zuhören.

Der Lappi ging in die Offensive und hat sich den Nationalfeiertag zum Anlass genommen, einmal der «modernen Folklore» auf den Grund zu gehen. Gibt es das Folkloristische überhaupt noch, wie wir es von den Geschichten von Heidi und dem Geissenpeter her kannten, oder hat tatsächlich eine Francine Jordi die Deutungshoheit über das Thema erlangt? Gibt es noch Orte, an denen sich die Menschen der Zukunft verweigern und leben wollen wie ihre Urväter? Und was geschieht an diesen Orten mit iPhone-schwingenden Städtern, die kaum mit den örtlichen Bräuchen vertraut sind? Werden sie freudig aufgenommen, oder ernten sie bloss böse Blicke, Hohn und Spott? Das Lappi-Team machte sich auf, Richtung Albis-Passhöhe, dem Ort, an dem heuer der vierzigste und zugleich letzte Albisschwinget stattfand.

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Rezension

In seinem ersten Buch «Radikal» (Rezension in Lappi 2/2010) war Jon Ronson auf der Spur der grossen Verschwörung. Doch diese Spur führte ihn vor allem zu Leuten, die glauben, die grosse Verschwörung enttarnt zu haben. In seinem neusten Werk ist Ronson nicht einer organisierten, sondern einer biologischen Verschwörung auf der Spur. Er geht der These nach, dass sich unter Führungspersonen ein überdurchschnittlicher Anteil an Psychopathen befindet. Allerdings ist der Aufhänger wie in «Radikal» ein Versprechen, das nur am Rande eingelöst wird. Im grössten Teil des Buches geht es darum, wie sich die Diagnose und Behandlung psychischer Störungen verändert hat und wie Bruchstücke der psychologischen Forschung, wie der titelgebende Psychopathen-Test, zu Werkzeugen der Strafverfolgung wurden.

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